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Poli Singisi, 26.10.2006 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Jenny Schuchmann   
Donnerstag, 26. Oktober 2006

1. Rundbrief aus Poli Singisi

Nach ca eineinhalb Monaten nun schreibe ich meinen ersten Rundbrief aus meinem MaZ-Einsatz in Tansania

1.Rundbrief aus Poli Singisi

Nach meinem ersten kleinen Rundbrief nach meiner Ankunft folgt nun mein erster laengerer Rundbrief mit meinen Erlebnissen und Eindruecken von den ersten eineinhalb Monaten in Poli Singisi, Tansania

Poli Singisi

Poli Singisi ist ein kleines Dorf in der Naehe von Arusha. Das Kloster und die Schule sind am Rande des Dorfes. Ausser den Missionsschwestern vom kostbaren Blut gibt es hier um die Ecke auch noch Pallotinerinnen und Franziskaner. Die Bewohner von Poli Singisi gehoeren zu den Wa-Meru, das ist der Stamm der um den Berg “Mt. Meru” zu finden ist. Viele der Menschen hier sind sehr arm und haben nur eine kleine Huette und diese oft ohne jegliches Moebiliar.

St. Francis Homecraft Trainingcentre

Das ist die Schule in der ich lebe und arbeite. Ich wohne hier in einem kleinen Zimmer auf dem Schulgelaende. Es ist ein kleines aber sehr schoenes Zimmer mit einem kleinen Bad (Toilette und Dusche). Wenn ich aus meinem Fenster schau, kann ich direkt auf den Mt. Meru schauen. Das ist wirklich wunderschoen!!
Auf dem Schulgelaende wohnen ausser mir die 48 Schuelerinnen und drei weitere Lehrerinnen. Die Schuelerinnen leben hier die ganze Zeit, nur in den Ferien fahren sie nach Hause. Sie schlafen in Schlafraeumen mit bis zu 22 Betten drin. Fuer ihre persoenlichen Dinge haben sie nur einen Koffer und einen kleines Schrankfach. Die meisten Maedels hier sind sehr arm. Viele koennen die schon geringen Schulkosten nicht selber aufbringen und werden gesponsort. Sie lernen hier Naehen, Haekeln, Kochen, Sticken, Gartenarbeit, Religion, Mathe und Englisch. Nach der zweijaehrigen Ausbildung hier koennen sie entweder als Naeherin oder Koechin anfangen zu arbeiten oder auf einer secondary school weiter zur Schule gehen. Es gibt hier zwei Klassen, die zweite Klasse bereitet sich gerade auf ihr Abschlussexamen im November vor. Das Alter der Maedchen ist sehr weit gefaechert. Die juengste ist 14 Jahre alt und die aelteste ist schon 26 Jahre alt. Am Anfang hab ich dazu geneigt, die Leistungen der Maedchen in Relation zu ihrem Alter zu sehen, aber das ist hier nicht moeglich und auch nicht gut. Einige mussten erst einige Jahre warten, bis ihre Eltern genug Geld gespart hatten oder ein Sponsor gefunden war um hier zur Schule gehen zu koennen. Der Unterricht geht jeden Tag von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr und danach muessen die Schuelerinnen noch im Garten und auf dem Schulgelaende arbeiten bis ca. 18:00 Uhr. Danach haben sie dann Zeit ein bisschen zu lernen und auch zu entspannen. Das ist schon ein ziemlich heftiger Schulalltag, wenn man sich ueberlegt, dass wir deutschen Schueler uns ueber zweimal Nachmittagsunterricht in der Woche schon total aufgeregt haben!
Nun zu meiner Arbeit hier in der Schule. Ich bin hier nun Lehrerin fuer Englisch und Mathematik. Seit ca drei Wochen unterrichte ich nun in beiden Klassen. Das ist aber nicht allzu viel. Die erste Klasse hat zweimal pro Woche Englisch und einmal Mathe und die zweite Klasse hat einmal Englisch und einmal Mathe. Wenn aber irgendjemand nicht da ist, oder am naechsten Tag weg muss, wird schonmal der ganze Stundenplan umgeworfen und dann wird danach geguckt welche Lehrerin ihre Stunden schon vorbereitet hat. Oft uebernehme ich die Stunden, so dass die Maedels doch ein bisschen mehr Mathe- und Englisch-Untericht bekommen. Aber auch wenn ich mal in die Stadt muss, uebernehmen die drei anderen Lehrerinnen gerne meine Stunden. Es gibt hier zwei Klassenraeume, einen grossen mit Naehmaschinen und einen recht kleinen, der auch leider sehr dunkel ist. Oft wuerde ich gerne waehrend die Maedels Aufgaben loesen einfach rumgehen und schauen ob sie damit zurechtkommen und auch spezielle Fragen klaeren, aber das ist nicht moeglich, da Stuehle und Tische so dicht aneinanderstehn, dass man nicht durch kann.
Die Schuelerinnen kochen jeden Tag fuer sich selber. Dazu sind wochenweise 4 “Koechinnen” eingeteilt. Die muessen dann auch schon waehrend dem Unterricht immer wieder nach dem Essen schauen. Meistens essen die Schuelerinnen Ugali(Maisbrei) oder Bohnen+Mais mit so einer Art Kraut oder Kohl. Ein- bis zweimal im Monat gibt es dann auch Fleisch. Zum Essen gibt es eigentlich einen Speisesaal, aber der ist viel zu klein, so dass die meisten ihren Teller und ihre Tasse mit rausnehmen und sich auf irgendeine Bank setzen und dort essen.
Zu der Schule gehoert auch ein grosser Garten. Dort sind dann kleine Gaerten aufgeteilt, und mit Schildern beschriftet, sodass jede Schuelerin ihr eigenes Gemuesebeet zu bewirtschaften hat. Die Schuelerinnen muessen auf ihrem Gartenstueck schauen, dass es simmer gut bewaessert ist und alles gut waechst. Die Ertraege gehen dann in die gemeinsame Kueche der Schuelerinnen. Ausserdem gibt es im Schulgelaende viele Bananenstauden und Papayabaeume. Die Schule hat auch noch ein Maisfeld. Leider kam ich eine Woche zu spaet zur Maisernte. Aber in den ersten zwei Wochen hier mussten wir den Mais immer tagsueber zum Trocknen auslegen und nachts dann wieder einpacken. Das Jahr ueber ist der Mais in grossen Behaeltern gelagert und alle zwei Wochen muss jemand hier von der Schule Mais zur Muehle bringen, damit die Schuelerinnen aus dem Maismehl dann Ugali kochen koennen.
Neben dem Schulgebaeude gibt es noch einen kleinen Raum, der als Duka (Geschaeft) dient. Dort koennen die Schuelerinnen Kleinigkeiten kaufen ohne jedes Mal in die Stadt fahren zu muessen.
So, das wars erstmal zur Schule

Missionary Sisters of the Precious Blood

Hier in Poli Singisi gibt es 7 Missionsschwestern vom Kostbaren Blut. Der Konvent hier ist ein “house of formation” Das bedeutet, dass hier junge Frauen zu Schwestern ausgebildet werden. Wenn hier ein Frau Schwester werden moechte muss sie erstmal als Kandidatin fuer ein Jahr nach Nairobi,Kenia und danach ist sie dann fuer ein hier in Poli Singisi als Postulantin. Danach folgen dann zwei Jahr als Novizin, die auch hier in Poli Singisi stattfinden. Der Konvent ist sehr gross.
Ich teile mit den Schwestern die Mahlzeiten, Gottesdienst und Gebete. Zwei der Schwestern arbeiten genauso wie ich in der Schule. Sr Sabine ist die Direktorin der Schule. Sie ist Deutsche und ist seit zwei Jahren hier. Sie ist mir eine grosse Hilfe hier, denn sie erklaert mir viel und kennt sich auch gut mit dem MaZ-Programm aus. Die zweite Schwester ist Sr.Marianna. Sie ist Tansanierin und gibt hier an der Schule Religionsunterricht und hilft Sr Sabine auch in der Leitung der Schule.
Ich geh immer morgens zur Messe und abends zum Abendgebet. Ich hab erwartet, dass es mich vielleicht irgendwann nerven wuerde, jeden Tag zweimal in die Kirche zu gehn. Abe rim Gegenteil, es tut mir sehr gut und hilft mir vieles zu verarbeiten, was ich hier tagtaeglich erlebe. Es ist auch interessant zu sehen wie unterschiedlich die Gottesdienste und auch Gebete zu Deutschland sind. Was mich zum Beispiel am Anfang sehr verwundert hat ist, dass es bei den englischen Liedern keinerlei Begleitinstrument wie Orgel oder wenigstens ein Keyboard gibt. Aber das macht garnichts, denn die Lieder sind auch acapella wunderschoen. Das Leben und Beten der Schwestern laeuft hauptsaechlich auf Englisch. Die Gottesdienste sind auch meist auf Englisch. Nur am Mittwoch und am Sonntag gibt es Kiswahili-Gottesdienste. Die Gebete sind auch moistens auf Englisch, aber es werden auch zwischendurch die Psalme auf Kiswahili gesungen. Bei den Liedern auf Kiswahili wird als Begleitung dazu getrommelt und verschiedene Rasseln gespielt! Das ist sogar noch schoener als die englischen Lieder. Es wird auch viel zu den Liedern geklatscht und getanzt, was den Gottesdienst sehr lebhaft macht. Jeden zweiten Sonntag geh ich zum Gottesdienst der Dorfgemeinde. Das ist immer sehr beeindruckend. Es gibt vier Gottesdienste pro Sonntag und die Kirche ist jedesmal brechend voll!! Fuer die meisten Menschen ist es garnicht vorstellbar, dass man am Sonntag nicht in den Gottesdienst geht. Dort in der Gemeindekirche gibt es dann auch einen Chor der alles singt. Die Gemeinde singt nur auswendig den Refrain mit, weil es keine Gesangsbuecher gibt. Aber die meisten kennen eh alle Lieder auswendig, so dass Buecher nicht notwendig sind.
Mit den Schwestern versteh ich mich mittlerweile sehr gut! Da unser Haus hier ca in der Mitte von Ostafrika liegt ist es oft Anlaufpunkt fuer reisende Schwestern. So dass wir oft viele Gaeste haben und ich auch viele Schwestern aus anderen Ecken Ostafrikas kennenlerne. Das ist oft sehr interessant!

Arusha

Die naechstgroessere Stadt hier ist Arusha. Hier kommen sehr viele Touristen aus der ganzen Welt, da hier in der Umgebung viel zu erreichen ist, wie zB der Kilimanjaro, der Mt Meru, der Serengeti Nationalpark und auch andere kleinere Parks. Durch den Tourismus gibt es hier viele Hotels und es ist alles etwas moderner und auch teurer als in anderen tansanischen Staedten. Ich bin pro Woche ca ein bis zweimal in der Stadt um einzukaufen und ins Internetcafe zu gehen. Um dorthin zu kommen muss ich erstmal ca 20 Minuten von der Schule zur Hauptstrasse gehen. Es ist ein sehr schooner Weg von Baeumen und Feldern eingsaeumt, nur die Strasse ist sehr schlecht, so dass mann sehr aufpassen muss nicht zu stolpern. Manchmal faehrt auch eine Schwester oder jemand den ich kenne vorbei und nimmt mich ein Stueck mit. An der Hauptstrasse muss ich dann auf einen Hiace (auch Dalladalla oder Matatu genannt, ein kleiner Bus) warten. Meistens kommt gleich einer. Die Hiace werden dann so gefuellt mit Leuten bis wirklich keener mehr reinpasst. Das ist immer ein bisschen so wie diese Rekordversuche, wo die Leute versuchen soviele Menschen wie moeglich in nen Smart zu stecken oder so. Aber dafuer ist es wahnsinnig billig! Die Fahrt in die Stadt dauert zwischen 30 und 45 Minuten und ich zahl umgerechnet nur ca 25cent. In der Stadt gibt e seine grosse Hauptstrasse und viele kleinere Gassen wo man einkaufen kann. Es gibt drei grosse Maerkte wo man auch alles bekommen kann, angefangen bei Klamotten bis Essen und Kuechenwaren, oder Handys, also alles was irgendwie brauchen koennte. Als Europaeer wird man von allen Seiten angesprochen, begrusst und in den jeweiligen Laeden oder an den Staenden willkommen geheissen. Nachdem ich zweimal zusammen mit Sr Sabine in der Stadt war, geh ich jetzt meistens alleine. Wenn man sich hier etwas kauft muss man immer handeln und zwar nicht nur um nicht zu teuer zu bezahlen, sondern auch weil es viele Verkaeufern richtig Spass macht zu handeln!! Aber moistens sind die Leute begeistert wenn ich versuche auf Kiswahili mit ihnen zu sprechen und geben mir fast normale Preise. Meistens frag ich auch vorher eine Schuelerin oder eine Schweter was etwas kostet bevor ich in die Stadt geh, dann kann ich mich etwas daran orientieren.
In der Stadt sieht man auch viel Armut! Viele Obdachlose oder auch Behinderte und Frauen mit Kindern sitzen am Strassenrand und betteln. Es ist oft schwer das zu sehen. Oft begegnet man auch Strassenkindern die ihre Klebstoffflaschen zum Schnueffeln in der einen Hand halten und mit der anderen Hand um Geld bitten. Aber anscheinend ist es in anderen Staedten noch schlimmer. Ich versuch jedesmal in der Stadt auch ins Internetcafe zu kommen, aber viele haben so langsame Verbindungen, dass ich es oft nach einer halben Stunde nur schaffe ein oder zwei Emails zu lesen und zum antworten ist dann keine Zeit, aber vielleicht find ich ja noch ein Internetcafe wo das Internet besser ist.

Residence Permit – Dar Es Salaam

Vor einer Woche bin ich kurzfristig mit zwei weiteren MaZlern nach Dar Es Salaam gefahren. Wir mussten unsere Aufenthaltsgenehmigung fuer Tansania abholen und haben gleichzeitig eine Mit-MaZlerin besucht, die etwas Heimweh hatte. Es war eine Busreise von ca. 8Std, aber zum glueck hatten wir gute Plaetze und wir hatten uns soviel zu erzaehlen, dass die Zeit schnell verging. In Dar Es Salaam angekommen haben wir dann den Pfarrer kennengetelernt, der sich um unsere Aufenthaltsgenehmigungen gekuemmert hat. Wir haben bei den St. Joseph Schwestern geschlafen. Dort wo die andere MaZlerin arbeitet. Am naechsten Tag haben wir erst die Schule besichtigt in der sie arbeitet und da es an dem Tag noch nicht moeglich war zur Einwanderungsbehoerde zu gehen, haben wir den Tag in Bagamoyo verbracht. Bagamoyo ist eine kleine Stadt an der Kueste. Dort haben die Spiritaner ihre erste ostafrikanische Missionsstation gehabt. Wir haben ein Musuem besucht, in dem wir viel ueber die Geschichte Bagamoyos erfahren konnten. Am Nachmittag haben wir uns alte Ruinen von einer alten muslimischen Stadt am Meer angeschaut. Es war sehr spannend. Danach kam dann das beste: Wir sind an den Strand gefahren und waren dann im Indischen Ozean baden. Das war sehr schoen, denn in Dar Es Salaam ist es sehr heiss gewesen. Das Wasser war zwar auch badewannenwarm, aber es war trotzdem einfach klasse!
Am naechsten Tag sind wir dann schliesslich zur Einwanderungsbehoerde gegangen. Dort war alles etwas komplizierter als wir erwartet hatten, aber die Leute haben sich sehr darum bemueht, dass wir die Aufenthaltsgenehmigung noch am gleiche Tag kriegen. Es hatten einige Papiere gefehlt und wir hatten auch keine Quittung, dafuer, dass wir schon alles bezahlt hatten, aber letztlich haben wir nach 6 Std warten alles gekriegt, obwohl man eigentlich ca 3Wochen warten muss. Wir waren sehr erschoepft danach und waren froh das Gebaeude verlassen zu koennen.
Den Rest des Tages haben wir damit verbracht ein bisschen durch die Stadt zu schlendern und ein paar Kleinigkeiten einzukaufen.
Am Tag drauf sind wir dann auch schon wieder aufgebrochen Richtung Arusha. Jana, die MaZlerin aus Dar Es Salaam ist mitgekommen um ein paar Tage bei mir in Poli Singisi zu verbringen.
Nach dieser anstrengenden Reise war ich froh wieder in Poli Singisi anzukommen und es war schon irgendwie wie “nach Hause kommen”! Wir wurden herzlich von den Schwestern und natuerlich den Schuelerinnen begruesst.

Ende

Nun komm ich mit dieser Rundmail zum Ende. Es war sehr schwer alles zu schreiben, da wir immmer noch viele Probleme mit dem Strom haben. Mittlerweile gibt es tagsueber Strom, aber nicht durchgehend, sondern immer mal wieder ne Stunde, und dann ist wieder keine Moeglichkeit etwas am Computer zu schreiben. Also bitt ich auch um Verzeihung wenn einiges vielleicht chaotisch ist, aber ich war jetzt viele Tage dran und hab manchmal vergessen, was ich schon geschrieben hab.
Ich hoffe dass es interessant war meinen Brief zu lesen und freue mich ueber viel Antworten.
Ich freu mich auch ueber alle Fragen, und werde jede Frage sehr gern beantworten!! Auch wenn jemand Interesse an meinen Rundbriefen und Berichten hat freu ich mich sehr darueber und begruesse es auch wenn jemand den Brief weiterreicht und anderen zeigt.

Auch ueber richtige Post freu ich mich sehr, daher schreib ich noch meine Adresse fuer diejenigen die mir mal schreiben moechten:

Jenny Schuchmann
Missionary Sisters of the Precious Blood
PO Box 457
Usa-River
Arusha
- TANSANIA -

und fuer die Emailfreunde:

Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst

und natuerlich meine Homepage:

www.jenny-tansania.de

Ich bedanke mich an dieser Stelle auch ganz herzlich bei all den lieben Menschen, die mich unterstuetzen, finanziell, in Gedanken und im Gebet. VIELEN DANK!!

Kwa herini (Kiswahili: Glueck begleite euch)

Jenny

 
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